Rechtswissenschaft Erbrecht – Pflichtteil und Ergänzung
Karteikarten zum Thema „Rechtswissenschaft“ · 16 Karten · von atrio. Beispiele: Wer ist pflichtteilsberechtigt nach § 2303 BGB? · Wie hoch ist der Pflichttei…
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16 KartenWer ist pflichtteilsberechtigt nach § 2303 BGB?
Rückseite
Abkömmlinge (Kinder, Enkel), Eltern und Ehegatte/Lebenspartner des Erblassers. Geschwister, Großeltern und entferntere Verwandte sind nicht berechtigt.
Wie hoch ist der Pflichtteilsanspruch prozentual?
Rückseite
Der Pflichtteil beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbteils (§ 2303 Abs. 1 S. 2 BGB). Bei gesetzlichem Erbteil von 1/2 ergibt sich ein Pflichtteil von 1/4 am Nachlasswert.
Was versteht man unter dem fiktiven Nachlass für die Pflichtteilsberechnung?
Rückseite
Der Nachlasswert wird so berechnet, als wäre der Erblasser nicht enterbt worden: Nachlassaktiva minus Nachlasspassiva plus Wert der zu ergänzenden Schenkungen (§ 2325 BGB).
Welche Schenkungen lösen einen Pflichtteilsergänzungsanspruch aus?
Rückseite
Schenkungen des Erblassers zu Lebzeiten an Dritte (§ 2325 BGB), soweit sie nicht occasional bedingt (Gelegenheitsschenkungen) oder pflichtteilsrechtlich unschädlich (z. B. Pflichtteilsverzicht) sind.
Wie wirkt die 10-Jahres-Frist beim Pflichtteilsergänzungsanspruch?
Rückseite
Schenkungen, die mehr als 10 Jahre vor dem Erbfall erfolgt sind, bleiben unberücksichtigt (§ 2325 Abs. 3 BGB). Die Frist beginnt mit der Vollendung der Schenkung (Leistung).
Was besagt die Abschmelzung (Abschmelzungsmodell) bei Schenkungen?
Rückseite
Für jedes Jahr, das zwischen Schenkung und Erbfall liegt, reduziert sich der anzurechnende Schenkungswert um 1/10. Nach 10 Jahren entfällt die Anrechnung vollständig (§ 2325 Abs. 3 BGB).
Wie werden Schenkungen an den Ehegatten beim Pflichtteilsergänzungsanspruch behandelt?
Rückseite
Schenkungen unter Ehegatten unterliegen uneingeschränkt dem Ergänzungsanspruch (§ 2325 Abs. 2 BGB), die 10-Jahres-Frist und Abschmelzung gelten nicht – Ausnahme: Güterstandsbezüge.
Was ist der Unterschied zwischen Enterbung und Pflichtteilsentzug?
Rückseite
Enterbung (Testament) schließt nur vom Erbfall aus, der Pflichtteil bleibt bestehen. Pflichtteilsentzug (§ 2333 BGB) entzieht den Pflichtteil vollständig, setzt schwere Verfehlungen voraus (z. B. Versuch gegen Leben).
Wann verjährt der Pflichtteilsanspruch?
Rückseite
Regelmäßige Verjährung von 3 Jahren ab Kenntnis von Erbfall und Enterbung (§ 199 Abs. 1 BGB), maximal 30 Jahre ab Erbfall (§ 199 Abs. 3a BGB).
Kann auf den Pflichtteil vorab verzichtet werden?
Rückseite
Ja, durch notariellen Verzichtsvertrag (§ 2346 BGB). Der Verzicht kann auf einzelne Berechtigte beschränkt sein und wirkt auch für deren Abkömmlinge, sofern nicht anders vereinbart.
Wie wirkt das Berliner Testament auf den Pflichtteil der Kinder?
Rückseite
Bei gegenseitiger Beerbung der Ehegatten werden die Kinder beim ersten Erbfall enterbt. Ihnen steht der Pflichtteil sofort zu, sofern kein Pflichtteilsverzicht oder Jastrow'sche Klausel greift.
Was regelt die Jastrow'sche Klausel im Berliner Testament?
Rückseite
Sie setzt die Kinder als Schlusserben ein, verhängt aber für den Fall der Geltendmachung des Pflichtteils beim ersten Erbfall eine Belastung (z. B. Vermächtnis) – Druckmittel gegen sofortigen Pflichtteilsanspruch.
Wie werden Unternehmensbeteiligungen bei der Pflichtteilsberechnung bewertet?
Rückseite
Nach dem gemeinen Verkehrswert (§ 2311 BGB). Streitig: Ertragswertverfahren vs. Substanzwertverfahren. Betriebliches Vermögen wird nicht pauschal abgezinst, sondern individuell bewertet.
Was ist der 'kleine Pflichtteil' bei Gütergemeinschaft?
Rückseite
Bei Gütergemeinschaft (§ 1416 BGB) beträgt der Pflichtteil des überlebenden Ehegatten nur 1/4 des Nachlasswerts (statt 1/2), da der Zugewinn bereits durch Aufteilung des Gesamtguts ausgeglichen ist.
Welche Auskunftsansprüche hat der Pflichtteilsberechtigte gegen die Erben?
Rückseite
Nach § 2314 BGB kann er ein notarielles Nachlassverzeichnis verlangen, Wertermittlung von Nachlassgegenständen fordern und eidesstattliche Versicherung über Vollständigkeit verlangen.
Wie wird der Pflichtteil bei mehreren Berechnungsgrundlagen (z. B. Schenkung + Nachlass) ermittelt?
Rückseite
Einheitliche Berechnung: Fiktiver Nachlass = reeller Nachlass + ergänzungspflichtige Schenkungen. Davon gesetzlicher Erbteil ermitteln, dann halbieren. Bereits erhaltene Zuwendungen werden angerechnet.